Wie werden wir Nature Positive? Und was ist das überhaupt?

Was sind die Herausforderungen beim Schutz von Biodiversität? Wie können wir Nature Positive werden und was bedeutet das überhaupt? Diese Fragen diskutierten unsere Geschäftsleiterin Dr. Sophia Benz als geladene Expertin unter anderem mit Nationalrat Bastien Girod am Swiss Green Economy Symposium (SGES) Ende August in Winterthur.
Foto: Unsere Geschäftsleiterin Dr. Sophia Benz (2. von rechte) am SGES mit Nationalrat Dr. Bastien Girod © Lifefair.org / Visual Craft
Das Swiss Green Economy Symposium ist die Konferenz zu Wirtschaft und Nachhaltigkeit in der Schweiz. Dieses Jahr drehte sie sich um das Thema “Gemeinsam Konflikte lösen”. Wie 2023 waren wir auch diesmal passioniert und motiviert vor Ort, um über den Schutz der Orang-Utans und die Bedeutung des Regenwaldes zu informieren. Unsere Teilnahme unterstrich erneut unser Engagement für eine grüne Zukunft und bot eine wertvolle Gelegenheit, unser Netzwerk zu erweitern und Unterstützer*innen zu gewinnen. Hier klären wir die wichtigsten Fragen zum Thema:
Was heisst “Nature Positive” und was ist der Bezug zur Schweiz?
Nature Positive beschreibt das Ziel oder die Vision, den aktuellen Trend in Sachen Biodiversität umzukehren, d.h. bis 2023 nicht nur den Biodiversitätsverlust zu stoppen, sondern de facto mehr Arten zu retten und zu erhalten, als wir verlieren.
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“Ich habe am SGES realisiert, wie sehr wir noch am Anfang stehen in Sachen Biodiversität. Ich sehe aber auch grosses Potential und konnte mit einigen Akteuren, Firmen, Organisationen sprechen, die tolle Initiativen umsetzen - jetzt schon, ohne dass sie von der EU oder durch nationale Gesetzgebung dazu “gezwungen” werden. Das macht durchaus Mut. Mir ist auch ganz deutlich geworden, dass wir von BOS Schweiz eine Vorreiterrolle einnehmen. Wir leisten tagtäglich einen entscheidenden Beitrag zum Erhalt der Biodiversität auf diesem Planeten und das macht mich unglaublich stolz.”
Dr. Sophia Benz, Geschäftsleiterin BOS Schweiz
Was hat BOS Schweiz damit zu tun?
BOS Schweiz versteht sich nicht nur als Tierschutzorganisation, die die Rettung einzelner Individuen in Not unterstützt. BOS Schweiz ist auch eine Artenschutzorganisation. Denn das Rehabilitations- und Auswilderungsprogramm der BOS Foundation in Indonesien, das wir aus der Schweiz ganz massgeblich mitfinanzieren, trägt zum Erhalt einer akut vom Aussterben bedrohten Art bei: der Orang-Utans. BOS ist heute das grösste Primatenschutzprogramm der Welt.
Keine andere Organisation hat mehr Orang-Utans gerettet, wieder ausgewildert und so neue, wilde Populationen angesiedelt. Im Orang-Utan-Schutz ist BOS also der wichtigste und grösste Player. Zudem gelten Orang-Utans als Schlüsselspezies. Das Überleben eines ganzen Ökosystems hängt vom Erhalt dieser einzelnen Art ab. Damit kommt auch den Orang-Utans selbst eine ganz besondere Rolle in Sachen Biodiversität zu.
Was sind die Herausforderungen bei der Umsetzung von Biodiversität?
Herausforderungen gibt es viele… Klar ist, dass freiwillige Mechanismen nicht ausreichen und es verbindliche Regelungen braucht. Vor allem aber scheint es nicht zu genügen, rechtliche Rahmenbedingungen zu setzen. Ihre Umsetzung, d.h. die Rechtsdurchsetzung, muss gewährleistet sein. Hier gibt es vor allem international grosse Lücken. Es genügt auch nicht, vor der eigenen Haustüre zu kehren. Biodiversitätsverlust ist kein Problem, das alleine in der Schweiz verursacht oder nur hier bekämpft werden kann. Es muss also global und über Landesgrenzen hinaus gedacht werden, um wirklich etwas zu bewegen - dort, wo die letzten Biodiversitäts-Hotspots unserer Erde liegen und u.a. durch unser Konsumverhalten bedroht sind.
Last but not least: Kompensationsmechanismen greifen hier weniger gut als beim Klimaschutz bzw. im CO2 Bereich. Dort ist es viel einfacher möglich, einen gefällten Baum an Standort A durch einen gleichwertigen Baum an Standort B zu ersetzen. Im Biodiversitätsbereich geht das nicht. Der Verlust muss dort bekämpft werden, wo er stattfindet. Platt gesagt: Man kann hier keine Massnahmen ergreifen, die die Spitzmäuse in der Schweiz retten und damit dafür kompensieren, dass auf Borneo die Orang-Utans ausgerottet werden. Auch technische Probleme existieren. Bis heute ist nicht klar, wie man Biodiversitätsverlust oder den Beitrag eines Akteurs zum Biodiversitätserhalt überhaupt messen kann und soll.
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“Im Rahmen dieser Veranstaltung habe ich gesehen, dass in der Schweiz eine schöne Palette von Organisationen – aus der Zivilgesellschaft, dem öffentlichen Sektor und sogar der Privatwirtschaft – eines der grössten Themen unserer Zeit mit kreativen Lösungen angeht. Auch wenn ich mittelfristig nicht sehr zuversichtlich bin und vermute, dass die Initiative scheitern wird, bleibe ich grundsätzlich optimistisch. Ich glaube, dass selbst die konservative Schweiz diesem Thema irgendwann mehr Gewicht beimessen und es mit der gebührenden Wichtigkeit behandeln wird.”
Moritz Wyss, Projekte und institutionelles Fundraising, BOS Schweiz