Wenn Laserstrahlen durch Baumkronen blicken

Ein Regenwald stirbt (Bild: Rhett A. Butler/Mongabay)
Selektive Abholzung im Regenwald hat verheerende Folgen für die Biodiversität, die Waldstruktur und die Kohlenstoffspeicherung. Bisher haben Daten und Methoden gefehlt, um gegen diese illegale Form der Abholzung vorzugehen. Eine neue Methode, die auf LiDAR-Technik baut, eröffnet nun die Möglichkeit, durch das dichte Baumkronendach zu blicken, selektive Abholzung zu erkennen und Massnahmen dagegen einzuleiten.
Bei der Wahl von Möbeln sind viele Konsumentinnen und Konsumenten wählerisch. Es soll nicht irgendein Holz sein, sondern gerne ein wertvolles und robustes. Etwas Exotisches, das schön anzuschauen hat und Eindruck macht. Aus diesem Grund betreiben viele Firmen sogenannte selektive Abholzung. Dabei werden nur bestimmte Bäume von hohem Wert abgeholzt und dem Wald entnommen. Laut einer 2009 publizierten Studie betrifft diese Art von Holzentnahme seit 2000 über 20% der Gebiete mit feuchten tropischen Wäldern. Mehr als die Hälfte der Treibhausgas-Emissionen von Walddegradierung in den Tropen ist auf die selektive Abholzung zurückzuführen.
Firmen vertuschen verheerendes Ausmass
Blick durch das dichte Kronendach

LIDAR Bilder (Bild: Sarah Frey, Oregon State University, CC 2.0)
Da bei der selektiven Abholzung dem Wald nur einzelne Bäume entnommen werden, wird das Kronendach des Waldes dadurch oft nur minimal beschädigt. Bei Luftaufnahmen mit herkömmlichen Satellitenbilder mit moderater Auflösung (30 Meter) sind diese minimalen Veränderungen nicht erkennbar. Bilder mit einer höheren Auflösung (1 Meter) können immerhin grössere Holzfällerstrassen aufdecken. Kleinere Pfade für Holztransporter (sogenannte Rückegassen) und das Fehlen einzelner Bäume bleiben jedoch immer noch verborgen. Und sogar hochauflösende Bilder durchdringen das dichte Kronendach nicht.
Forscher setzen daher auf Luftbildvermessungen welche LiDAR (Light Detection And Ranging) nutzen. Diese Fernerkundungsmethode misst die Rücklaufzeit tausender Laserstrahl-Pulse, welche vom Flugzeug auf die Erdoberfläche geschickt werden. Die Rücklaufzeit jedes Pulses misst seine Distanz zum Luftbildsensor. Manche Pulse durchdringen das Kronendach und ermöglichen es den Forschern, hochauflösende dreidimensionale Bilder vom Raum zwischen dem Waldboden bis zum Kronendach zu erstellen. Diese Bilder zeigen auch kleine Veränderungen innerhalb des Waldes auf.
Die Studienautoren Pearson und Hagen betonen, dass mit LiDAR endlich auch die Entnahmen einzelner Bäume entdeckt werden kann. Mit LiDAR bleibt nichts unbemerkt. Und LiDAR liefert Daten, die von Holzfirmen und Regierungen unabhängig sind.
Kombination von LiDAR-Daten und Felddaten

Die 4 Gebiete der Studie (Bild: siehe unten)
Vor einiger Zeit entwickelte ein Forscherteam um Pearson und Hagen einen automatischen Algorithmus basierend auf kommerziellen LiDAR-Daten von Kalimantan. Dieser kann Holzfällerstrassen, Rückegassen, Lücken im Wald und Decks zur Lagerung der Stämme erkennen und sehr fein skalierte 3D-Karten davon erstellen. Bei der aktuellen Studie kombinierte das Team diese Karten mit Bodendaten über 188 legal gefällte Bäume. Die Bodendaten wurden von zwei Firmen, die über Abholzungskonzessionen verfügen, zur Verfügung gestellt.
Durch das Verknüpfen der LiDAR-Daten mit den Zahlen zu den effektiv abgeholzten Bäumen konnte das Team Zusammenhänge zwischen Wegen, Rückegassen, Waldlücken und der Holzentnahme erkennen. Aufbauend auf den Resultaten formulierten die Forscher Gleichungen, um die Menge der Holzentnahme und der dadurch entstandenen Treibhausgas-Emissionen auf Gebieten zu ermitteln, bei denen nur LiDAR-Daten oder keine LiDAR-Daten zur Verfügung stehen.
Mit Gleichungen gegen die Abholzung
Quelle Bild/Text:
Jain, Neha 2018: Combining aerial imagery and field data estimates timber harvest and carbon emissions, Mongabay, 27 July 2018, online verfügbar unter: https://news.mongabay.com/wildtech/2018/07/combining-aerial-imagery-and-field-data-estimates-timber-harvest-and-carbon-emissions/, 21/08/18.