Rekord: 500. Orang-Utan wird ausgewildert
,CopyrightBOSFoundation__w_516__h_0.jpg)
Auf Borneo startet heute (18.11.22) die Auswilderung von Orang-Utan Ben. Er ist der 500. Orang-Utan in 10 Jahren, der von der BOS Foundation ein neues Leben in der Freiheit erhält. Das ist nicht nur für Ben ein Meilenstein, sondern auch für unser Ökosystem.
In den letzten 10 Jahren wilderte BOS 500 Orang-Utans in 3 Auswilderungsgebiete aus. Wir wissen von 27 Orang-Utan-Babies, die in dieser Zeit von ausgewilderten Orang-Utans in der Wildnis geboren wurden. Wegen ihnen lohnt sich der riesengrosse Aufwand, den wir für jedes einzelne Tier betreiben: Die sogenannten “wild-born Babies” erhalten die Art und somit unser Ökosystem.
Klappe auf, Affe raus?
So einfach ist es nicht. Die meisten Orang-Utans kommen als verwaiste und traumatisierte Babies in die BOS-Rettungsstationen. Orang-Utan Ben war eine Ausnahme. Er wurde 2010 in der Rettungsstation geboren. Seine Mutter wurde aus thailändischer Gefangenschaft gerettet und für den Wildtiertourismus missbraucht. Leider konnte sie sich nicht um ihr Baby kümmern, sodass das BOS-Team die schwierige Entscheidung treffen musste, die beiden zu trennen.
Mit weiteren Orang-Utans besuchte Ben die Waldschule und lernte dort von menschlichen Ersatzmüttern alles, was er in einer gerechten Welt von seiner Mutter im Regenwald lernen würde: Was er essen kann, vor welchen Tieren er Angst haben muss, wie ein Schlafnest gebaut wird und vieles mehr. In der Natur und in der Rettungsstation dauert dieser Prozess bis zu 10 Jahre. Die letzten 3 Jahre lebte Ben auf einer Vor-Auswilderungsinsel und bewies dort, dass er bereit ist für die echte Freiheit.
,CopyrightBOSFoundation__w_516__h_0.jpg)
© BOS Foundation
Mit dem Ende der Rehabilitations-Phase beginnt heute ein weiteres, hartes Kapitel: Die Auswilderung. Der Weg von der Rettungsstation bis tief in den Schutzwald ist sehr beschwerlich und gefährlich und kann bis zu 2 Tage dauern. Dann beginnen Ben und zwei weitere Orang-Utans ihr neues Leben in der Freiheit.
Für das BOS-Team startet danach etwas anderes: das Post-Release-Monitoring. Forscher*innen folgen den Tieren mit Hilfe von implantierten Transmittern. So finden wir heraus, wie viele Tiere überhaupt in der Wildnis überleben, wie sie sich verhalten und ob sie dort zurechtkommen. Diese Information ist wichtig, um den Rehabilitationsprozess und die Auswilderungen weiter zu optimieren.
Auf die nächsten 500
,CopyrightBOSFoundation__w_400__h_0.jpg)
© BOS Foundation
Soft- vs. Hard-Release
Die Wahl und Verortung der Auswilderungsgebiete und die Art der Auswilderungen änderten sich in den letzten Jahren. Die ersten von BOS ausgewilderten Orang-Utans wurden noch in einem sogenannten Soft-Release in die Freiheit entlassen. Im Wald wurde ein Nachtgehege gebaut, wo sie sich zunächst an die neue Umgebung gewöhnen konnten.
Heute praktiziert BOS eher Hard-Releases. Nach der tagelangen, anstrengenden Reise werden die Orang-Utans so schnell wie möglich in die Wildnis entlassen und nicht mehr zugefüttert. Allerdings begleitet ein Tierarzt oder eine Tierärztin jede BOS-Auswilderung. In Zukunft wird das Post-Release-Monitoring die grösste Veränderung und Herausforderung sein. Unter anderem, weil die Batterien der implantierten Peilsender nur etwa 2 Jahre halten.