«Nicht auswilderbar» – Was bedeutet das?

© BOS Foundation | Lalita
Vor dem Leben in den Weiten des indonesischen Regenwaldes steht ein langwieriger Rehabilitationsprozess. Denn eine Auswilderung kann nur durchgeführt werden, wenn die Orang-Utans überlebenswichtigen Fähigkeiten und natürlichen Verhaltensweisen entwickeln. Und doch gibt es immer wieder Tiere, die die erwarteten Entwicklungsschritte nicht erfüllen können. Betroffen sind insbesondere Orang-Utans, die zu lange Zeit in Gefangenschaft oder menschlicher Obhut verbracht haben. Viele von ihnen haben gesundheitliche Probleme wie Fettleibigkeit oder zeigen stereotype Verhaltensweisen, die auf Traumata aus ihrer Vergangenheit vor der Rettung zurückzuführen sind. Auch das Leiden an chronischen Krankheiten wie Tuberkulose und Hepatitis oder körperliche Beeinträchtigungen machen eine Auswilderung praktisch unmöglich.
Natürlich hat BOS immer das Ziel, so viele gerettete Orang-Utans wie möglich wieder auszuwildern. Doch von den rund 430 Tieren, die aktuell in den beiden Rettungsstationen Nyaru Menteng und Samboja Lestari versorgt werden, können schätzungsweise 170 nie mehr in den Regenwald zurückkehren. Sie werden als «Unreleasables», als «nicht auswilderbar» eingestuft – und repräsentieren Kehrseite der Tierretung.
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Nicht auswilderbar – was bedeutet das genau?
Die nicht auswilderbaren Tiere werden auf künstlich angelegte Inseln in waldähnlicher Umgebung verlegt, wo sie überwacht und zugefüttert werden können. Doch der Platz auf diesen Inseln ist begrenzt, weshalb einige der Orang-Utans in Gehegen untergebracht werden müssen. Diejenigen Tiere, die an chronischen Krankheiten leiden, werden in einem speziellen Quarantänekomplex versorgt, um eine Ansteckungsgefahr auf gesunde Orang-Utans zu verhindern.

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Die BOS Foundation hat es sich nicht nur zum Ziel gesetzt, die nicht auswilderbaren Tiere bestmöglich zu versorgen, sondern sie will auch zusätzliche Inseln vorzubereiten. So sollen auch diese Orang-Utans die Möglichkeit erhalten, zu leben, wie es die Natur vorgesehen hat – nämlich hoch oben in den Baumkronen.
Und so klein die Chance auch sein mag, wir geben die Hoffnung nicht auf, dass ab und zu ein Wunder geschieht! Denn es besteht immer die Möglichkeit, dass einige der als nicht auswilderbar eingestuften Orang-Utans Fortschritte machen. Fortschritte, die gross genug sind, dass eine Auswilderung in Greifnähe rückt.
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