Baum ist nicht gleich Baum
Diese Bäume pflanzt BOS

Baumsetzling, Bild: Björn Vaughn
Baum ist nicht gleich Baum und Regenwald nicht gleich Regenwald! Auf Borneo gibt es verschiedene Typen von Regenwald: In den höher gelegenen Gebieten hat es Nebel- und Bergregenwälder, etwas tiefer liegen die Tiefland- oder Torfmoorregenwälder und in Küstennähe wachsen Mangrovenwälder.
Nicht alle Regenwaldtypen bieten den gleichen Tier- und Pflanzenarten eine Heimat. Für das Überleben der Borneo-Orang-Utans und auch für uns Menschen sind vor allem die Torfmoorregenwälder wichtig.
Diese bieten den Orang-Utans die nötige Nahrungsgrundlage und binden gleichzeitig enorme Mengen an CO2. Torfmoore bedecken nur 3 Prozent der Erdoberfläche, speichern aber ein Drittel des erdgebundenen Kohlenstoffs – doppelt so viel wie alle Wälder der Erde!
Nachhaltige Aufforstung

Pouteria malaccensis cf., ©Anna Marzec, TORP/BOSF
Aufforstung ist komplex! Im Idealfall umfasst sie viel mehr, als auf einer abgebrannten, kahlen Fläche Setzlinge zu pflanzen. Um sinnvoll und nachhaltig aufzuforsten, wird fundiertes Wissen über die Böden, Wälder und ihre Baumarten sowie das gesamte Ökosystem, d. h. auch die dort beheimateten Tiere, benötigt.
Welche Baumarten an welchem Ort zu welchem Zeitpunkt gepflanzt werden, ist entscheidend. Unter anderem achtet BOS darauf, dass eine gute Mischung aus Nutzhölzern und Fruchtbäumen gepflanzt wird, die auch den Orang-Utans als Nahrung dienen.
Zudem sollte ein gutes Gleichgewicht zwischen schnell und langsam wachsenden Sorten erreicht werden. Es werden ausschliesslich einheimische und oft bedrohte Baumarten gepflanzt.
Tieflandregenwald, Samboja Lestari
Rund um die BOS-Rettungsstation Samboja Lestari in Ost-Kalimantan werden Bäume gepflanzt, welche für den in dieser Region heimischen Tieflandregenwald wichtig sind. Eine Auswahl der von BOS gepflanzten Baumsorten ist:
Fruchtbäume:
- Rambutan: essbare Frucht, Nahrungspflanze für Orang-Utans
- Durian: essbare Frucht, Nahrungspflanze für Orang-Utans
- Local Durian: eine lokale, bedrohte Durian-Art Borneos, Nahrungspflanze für Orang-Utans
- Langsat: lokale Frucht, Nahrungspflanze für Orang-Utans
- Rambai: lokale, saure Frucht, Nahrungspflanze für Orang-Utans
- Weitere lokale Fruchtbäume wie Guava, Jackfruit, Breadfruit u. a.
Nutzhölzer:
- Iron tree (Ulin): einheimische, bedrohte Baumart Borneos, hartes, wertvolles Holz.
- Shorea species (Meranti): einheimische, bedrohte Baumart Borneos, sehr wertvolles Holz
- Kapur tree: einheimische, bedrohte Baumart Borneos
- Weitere harte Holzarten wie Gaharu, Callophylum u. a.
Torfmoorregenwald, Mawas-Region

Rambutan, ©Anna Marzec, TORP/BOSF
In Zentral-Kalimantan in der Mawas-Region lebt eine der grössten noch wild lebenden Orang-Utan-Populationen.
In dieser Region pflanzt BOS im dort heimischen Torfmoorregenwald daher viele Baumarten, welche den Orang-Utans als Nahrungspflanzen dienen.
Die meisten davon werden von diesen auch für den Nestbau verwendet. Einige der gepflanzten Baumarten sind:
Fruchtbäume
- Syzygium / Annonaceae: verschiedene Bäume dieser Gattung/ Nahrungspflanze für Orang-Utans
- Nephellium sp.1 (Rambutan): essbare Frucht, Nahrungspflanze für Orang-Utans
- Sandoricum beccanarium (Meliaceae): Nahrungspflanze für Orang-Utans
- Diospyros siaman: Nahrungspflanze für die Orang-Utans (Früchte, Blätter und Rinde)
- Elaeocarpus mastersii: Nahrungspflanze für Orang-Utans, oft genutzt für Nestbau
- Xerospermum norchianum: Nahrungspflanze für Orang-Utans
- Pouteria malaccensis cf.: Nahrungspflanze für Orang-Utans
- Madhuca motleyana: Frucht- und Blüten sind Nahrung für Orang-Utans und dienen zum Nestbau
Nutzhölzer:
- Shorea Balangeran – bedrohte Baumart, schweres Holz mit dunkelrotem oder braunem Kernholz.
- Diospyros siamang – Ebenholz-Art
- Calophyllum - Nutzholz und Nahrungspflanze für Orang-Utans
Wie der Setzling zum Baum wird
Mit der Auswahl der richtigen Baumsetzlinge ist die Arbeit nicht getan. Damit aus den gepflanzten Setzlingen tatsächlich Bäume werden, braucht es vor- und nachbereitend viele unerlässliche Arbeitsschritte:
- In vielen Fällen müssen die Böden zunächst vorbereitet, d.h. renaturiert werden, bevor aufgeforstet werden kann.
- Die Samen für die Setzlinge werden von der lokalen Bevölkerung in der Regel im heimischen Wald gesammelt und in eigenen Baumschulen zu Setzlingen gezogen.
- Regen- und Trockenzeiten müssen berücksichtigt werden, um zum richtigen Zeitpunkt zu pflanzen.
- Anschliessend braucht es über einen längeren Zeitraum Pflege. Überlebt ein Setzling nicht, muss er entfernt/ersetzt werden.
- Alle Setzlinge müssen vor Bränden geschützt werden. Hierfür bildet und rüstet BOS lokale Feuerwehr-Trupps aus.

Madhuca motleyana: ©Anna Marzec, TORP/BOSF
Weiter ist es wichtig, dass der Projektfortschritt sorgfältig überwacht und kontrolliert wird. Dies geschieht von unserer Geschäftsstelle in der Schweiz aus, gemeinsam mit dem BOS-Mawas-Team.
Am allerwichtigsten sind aber die Menschen vor Ort:
Ohne sie kann all das nicht gelingen. Wir binden sie aktiv in unsere Aufforstung-Vorhaben ein, im Rahmen von Mikrokredit-Projekten zur alternativen und nachhaltigen Einkommensgenerierung.
So können wir mit der Aufforstung Lebensraum schaffen und gleichzeitig Armut und illegale Abholzung bekämpfen.
TORP = Tuanan Orangutan Research Project